Text vom 16.3.2021 von Susanne Brandt-Stange

75 Jahre Oldesloer Singakademie

Neue Chorleiter, neue Methoden, neue Planung

Bad Oldesloe. Die Oldesloer Singakademie geht mit ihrer Probenarbeit im 75. Jahr des Bestehens neue Wege. Die Sängerinnen und Sänger des gemischten Chores testen die Möglichkeiten des Chorgesangs via Internet und lernen dabei seit Jahresbeginn neue Musiker kennen. Richard Leisegang, in Leipzig lebender Songschreiber und Organisator der Vocalband „Unduzo“, arbeitet seit Februar mit viel Spaß und innovativen Ideen mit den Choraktiven.

Richard Leisegang in Action

Im Januar war es der studierte Gesangspädagoge und Atem-, Sprech- und Stimmlehrer Tobias Schlosser aus Bad Nenndorf, bei dem auch mal auf dem Kamm geblasen wurde. Das Ziel dieser Zusammenarbeit mit wechselnden Chorleitern ist, den Spaß am Singen wachzuhalten, die Stimmen zu pflegen und die Gemeinschaft zu fördern, bis es wieder möglich ist, gemeinsam draußen oder in einem Probenraum die Stimmen erklingen zu lassen. Sobald Präsenzproben wieder erlaubt sind, lernen die Chorgeschwister neue Chorleitende aus der näheren Umgebung kennen, um sich dann für eine feste Person zu entscheiden. Zum Glück warten schon einige Interessenten darauf, sich vorstellen zu dürfen.

Das Jubiläumsjahr der Oldesloer Singakademie ist den 40 Sängerinnen und Sängern sehr wichtig. „Wir lassen uns von Corona nicht unterkriegen. Das Gemeinschaftsgefühl ist groß, auch wenn wir nicht auftreten dürfen“, betont Frank Dreiling, der Vorsitzende des Vereins. So findet im August auf jeden Fall ein Chorwochenende am Koppelsberg statt – mit Gesang oder mit anderen Aktionen. „Sobald geprobt werden darf, stehen wir wieder vor der Scheune in Pölitz und tragen unser elektrisches Klavier dorthin, wie schon im letzten Sommer. Und dann wird auch hoffentlich bald wieder das Singen im Gemeindesaal am Moordamm möglich sein.“ Mit ein wenig Glück kann die Singakademie im Frühherbst ein kurzes Terrassenkonzert mit Stücken aus dem Repertoire des Chores quer durch Klassik, Pop und Swing präsentieren. Außerdem plant der Chor ein YouTube-Video nach dem Vorbild der Deutschen Chorjugend.

Ob Stammtisch, Sommerausflug, Alt-Kaffee oder Sopran-Nachmittag – die Oldesloer Singakademie steht in den Startlöchern, um gemeinsame Aktionen wie in den Vorjahren wieder aufleben zu lassen. Auch der Kontakt zu anderen Chören und das Netzwerken innerhalb der Musikszene werden großgeschrieben. „Vor allem hoffen wir, dass wir zu Weihnachten wieder alle zusammen singen dürfen, egal, ob im Konzert oder beim Einsingen der Weihnacht“, betont Anke Franz, die stellvertretende Vorsitzende.

Im Moment stehen die Proben mit Richard Leisegang im Mittelpunkt des Chorlebens. Dabei arbeitet Leisegang mit Zoom, einer Software, die für die Konferenz großer Gruppen gedacht ist. Der studierte klassische Sänger und Lehrer für Musik nutzt dabei die Stärken der Internet-Konferenz und vertraut auf die Selbstlernfähigkeit der Teilnehmenden. Im Konferenzmodus kann jeder etwas darüber sagen, wie es ihm geht oder es in den Chat schreiben. Im Lehrmodus mit ausgeschalteten Teilnehmer-Mikrofonen gibt Leisegang die Anleitung zu Körper- und Stimmübungen. Bei geteiltem Bildschirm werden Texte wie die vom „Wellerman“ individuell mitgesungen. In Breakout-Rooms, kleinen Untergruppen, üben die einzelnen Stimmgruppen kurze Abschnitte des neuen Liedes „Schatten“ miteinander. Hier ist gelegentlich auch gemeinsames Singen möglich, trotz der Latenzzeit zwischen den Teilnehmern. Zwischendurch beschäftigen sich die Chorsänger individuell mit Midifiles, um dem gewünschten Klang nachzueifern, oder stellen sich mit Hilfe von Audiation die Melodie beim Anblick der Noten einfach nur vor. Zum Abschluss gibt es immer einen Rausschmeißer – gängige Songs zum Mitsingen. „Und danach darf noch im Zoomraum geplaudert werden – endlich wieder Gruppentratsch!“ freut sich Susanne Brandt-Stange, Altistin.

Infos: Der Bariton Richard Leisegang steht seit 2009 mit der Vocalband „Unduzo“ auf der Bühne. A-cappella in den zahlreichen Facetten der Popmusik ist das Werkzeug der Band, um die eigenen Ideen auf die Bühne zu bringen. Unterschiedliche Stilarten des Singens greifen mit Beatbox und live-geloopten Linien ineinander. Mal skurril, mal lyrisch und liebend gerne mit einem Augenzwinkern. Simon Carrington, Gründer der King’s Singers, sagt über „Unduzo“: „Very accomplished, plenty of colors, … cool and groovy“.